Im Mai 2014 startete Norbert Schön aus Heidelberg seine lange Radreise durch den gesamten amerikanischen Kontinent. Nach einem Verwandtschaftsbesuch in Victoria – auf dem Südzipfel Vancouver Islands – reiste er zunächst per Schiff am „Alaska Panhandle“ die „Inside Passage“ hinauf bis nach Haines. Dort begann die eigentliche Tour, die rund eineinhalb Jahre, etwa 200.000 Höhenmeter und über 23.600 km später in Buenos Aires enden sollte. Für seine Freunde dokumentierte er sein Abenteuer auf Scoutfish. Kurz vor Weihnachten traf er sich mit Scoutfish-Gründer Thomas Heim.

Die Hafenstadt Haines liegt weit im Norden eines noch zu Alaska gehörenden schmalen Küstenstreifens, der wegen seiner geografischen Form auch „Alaska-Pfannenstiel“ genannt wird. Als Norbert (alias „Nobs“) im Juni 2014 dort seine Amerika-Durchquerung beginnt, hat er bereits über die Zubringerstrecke rund 770 km, 6.600 Höhenmeter und 50 Fahrradstunden in den Knochen. Die meisten würden da sagen: „Genug geradelt, mein Hintern tut weh und Stechmücken und Grizzlybären sind auch nicht so meins…“. Nicht so Nobs, der sich von den bevorstehenden Widrigkeiten und Gefahren nicht abschrecken lässt – und dafür mit tollen Landschaften und beeindruckenden Begegnungen belohnt werden wird!

Von Haines aus fährt er zunächst über einen 1070 m hohen Pass Richtung Norden weiter – ein Stück durch Kanada und dann auf dem Alaska Highway wieder über die Grenze nach Tok. Die Wiedereinreise nach Alaska gestaltet sich jedoch schwierig: Nobs muss sich nicht nur gegen Sturm und Regen, sondern auch gegen einen übermotivierten Grenzer durchsetzen. Nachzulesen im ersten seiner insgesamt 5 Reisetagebücher, die seine Tour dokumentieren und die bereits über 1.800 Mal* auf Scoutfish gelesen wurden.

* Anmerkung: unabhängig von den Kapitel-Klicks, wird jeder Tagebuch-Besuch nur einmal pro Tag gezählt

Weiter geht es über die Goldgräberstadt Chicken und schließlich wieder in überwiegend östlicher Richtung zurück nach Kanada. Der Top of the World Highway auf dem Weg nach Dawson City markiert den nördlichsten Punkt der Reise nur rund 240 km vor dem Polarkreis. Ab dort führt die Route in südöstlicher Richtung durch das naturbelassene Yukon, das Wildnis im Überfluss bietet. Höchst unangenehm sind die unzähligen Stechmücken, die unseren tapferen Radfahrer ab hier noch bis British Columbia begleiten werden, bevor sie ihm endlich eine kleine Verschnaufpause gönnen. Die herrliche Landschaft an den Ausläufern der Rocky Mountains kann er schließlich ohne die kleinen Plagegeister genießen.

Norbert schreibt fleißig Tagebuch, lädt viele Bilder hoch, gibt dem Scoutfish-Team regelmäßig Rückmeldung zur Funktionalität der Plattform. So kommt es, dass sich in dieser Zeit ein guter Teil der Scoutfish Entwicklungsarbeit verschiebt, um der aktuellen Nutzung durch den „Traveller No. 1“ gerecht zu werden. „Wie bist du auf Scoutfish aufmerksam geworden?“, möchte Thomas wissen. „Durch einen gemeinsamen Freund“, antwortet Nobs. „Ich habe nach einer einfachen Möglichkeit gesucht, um meine Reise – wie eine Webseite – online zu stellen. Da hat er mir von dem Reise-Projekt erzählt…“

Die Great Divide Mountainbike Route

Von Banff, Kanada, geht es in den folgenden drei Monaten quer durch die USA. Zunächst fährt Norbert die Great Divide Monutainbike Route über Montana, Idaho und Wyoming bis nach Colorado. Die Strecke folgt dem Höhenkamm der Rocky Mountains und enthält zahlreiche Schotterwege und Trails. Mit schwerem Gepäck sind die verwurzelten Waldwege – insbesondere die Steigungen – eine echte Herausforderung. Aber Norbert ist froh, wieder mehr in der Natur fahren zu können – abseits der Highways. In Wyoming kämpft er sich durch das Great Divide Basin, ein wüstenartiges und sehr windiges Hochplateau. Gleich nach der Grenze zu Colorado ändert sich die Landschaft und wird wieder bergiger.

nobs-monument-valley-1Bei Steamboat Springs ereilt ihn dann die erste große Panne: ein Rahmenbruch! Doch die US-Amerikaner erweisen sich einmal mehr als äußerst hilfsbereit, und so kann Nobs schon bald mit frisch geschweißtem Gefährt weiterradeln. In der Kommune Radium verlässt er die Mountainbike Route, um dem Colorado River zu folgen Richtung Utah, Arizona bis nach Baja California, Mexiko. Auf diesem Streckenabschnitt, an der Grenze zwischen Utah und Arizona, liegt auch das berühmte Monument Valley, das bei wechselnden Lichtverhältnissen faszinierende Ausblicke bietet. Ein Stück weiter westlich folgt der nicht minder spektakuläre Grand Canyon Nationalpark.

Der letzte Abschnitt durch die Vereinigten Staaten führt Nobs noch einige Kilometer über die legendäre Route 66, dann vorbei am Colorado-Stausee Havasu durch überwiegend langweilige Wüste bis in den Grenzort Los Algodones auf der mexikanischen Seite.

Durch Mexiko und Zentralamerika

Die Route führt durch „stickiges, dreckiges und häßliches Land“, wie Norbert feststellen muss. Auch die Hunde nerven gewaltig, kommt doch aus praktisch jedem besseren Bretterverschlag mindestens ein kläffender Köter herausgeschossen! „Warum haben die Menschen solche Lebewesen gezüchtet?“ fragt sich der geplagte Radler ein ums andere Mal.

nobs-in-baja-californiaEs dauert eine ganze Weile bis sich Nobs mit dem Land anfreunden kann. In Mulegé findet er mit dem Hotel Hacienda endlich einen Ort zum Entspannen. Auch die etwas weiter südlich gelegene Bucht Bahia Conception erweist sich als „traumhaft“. Doch insgesamt sammelt Norbert eher gemischte Eindrücke auf seinem Weg durch Mexiko. Viel zu viel Müll säumt die Straßen, viele Autofahrer agieren rücksichtslos und halten sich an keinerlei Verkehrsregeln, in den Städten stauen sich die Abgase. Trotzdem überwiegt der Spaß beim Radeln: Wegen der meist schönen Landschaft, wegen der meist netten Leute und vor allem wegen des meist leckeren Essens!

Über Mazatlán, Guadalajara, Oaxaca, Zipolite fährt Nobs bis nach Chiapas, wo er die archäologische Fundstätte Palenque besucht. Von dort gelangt er in das Departamento Petèn ganz im Norden Guatemalas. Nach einem Kurzbesuch der ehemaligen Kolonie „Britisch-Honduras“, dem heutigen Strand- und Tauchparadies Belize, geht es mit dem Boot wieder nach Guatemala ins afrokaribisch geprägte Livingston. Die Kultur der Garifunas ist zwar im Niedergang, aber noch kann man dort den ursprünglichen Reggae- und Trommelklängen lauschen.

Mit dem Boot geht es zunächst weiter die beliebte Strecke über den Rio Dulce, dann wieder mit dem Fahrrad – viele Höhenkilometer bewältigend – quer durch das Land an die Pazifikküste. Auf dem Weg liegen die ehemalige Hauptstadt Antigua Guatemala und der Lago de Atitlán, laut Alexander von Humboldt der „schönste See der Welt“. Der Küste Richtung Südosten folgend durchquert Norbert das geschundene El Salvador, das teilweise sehr schöne Nicaragua, das touristisch aufgeräumte Costa Rica und landet schließlich im vollkommen US-amerikanisierten Panama. Janoschs Kinderbuch „Oh, wie schön ist Panama“ erweist sich als romantische Seifenblase. Norbert ist froh, dass er am 20. April 2015 die letzte Fähre nach Kolumbien bekommt – danach wird die Fährverbindung tatsächlich eingestellt!

Der lange Weg durch Südamerika

In Cartagena de Indias an der kolumbianischen Karibikküste beginnt Norbert den dritten großen Abschnitt seiner Amerikareise. Zum Auftakt begrüßt ihn eine gute argentinische Ska-Band, so dass der erste Eindruck „super ist“ – doch insgesamt wird die musikalische (Dauer-) Beschallung in Kolumbien schnell ein wenig zu aufdringlich für seine mitteleuropäische Ohren. Versöhnlich hingegen wirken die vielen frischen und leckeren Suppen, die es in allen Comedores und Restaurants zu günstigen Preisen gibt. Norbert fährt Richtung Ostsüdost und erreicht schnell das von über 40 Nationalparks und zahlreichen Naturdenkmälern gespickte Venezuela. Dort wird er erst einmal von der Polizei angehalten – aber nur, um zum Essen eingeladen zu werden und die Trinkvorräte zu füllen. Die Polizei, dein Freund und Helfer?!

nobs-wasserfall-caroni-llovizna-parkVernünftige Straßenkarten sucht Nobs in Venezuela vergeblich. Auch sind die Geschäfte – wenn sie überhaupt geöffnet haben – nicht gerade gut bestückt: Auf Kaffee und Milch muss er in diesen Tagen verzichten. Vor allem aber machen ihm starke Gewitterregen zu schaffen, die eine Weiterfahrt auf unasphaltierten Straßen unmöglich machen und letztlich einen Umweg von rund 700 Kilometern kosten. Eine weitere Enttäuschung erfährt Norbert als er feststellen muss, dass die Orinoco-Flussfahrt von Puerto Ayacucho nach Ciudad Bolívar nicht mehr möglich ist. Schließlich erreicht er sein Etappenziel aber doch noch im Juni 2015 – nach oft eintöniger Fahrt durch die weiten Ebenen der Llanos bei Apure und der deutlich abwechslungsreicheren Strecke durch den Bundesstaat Bolívar.

Von Ciudad Bolívar aus geht es nun nach Süden weiter, über die quälend langen Steigungen der Gran Sabana in die Grenzstadt Santa Elena de Uairén und schließlich hinein nach Brasilien.

nobs-amazonas-theater-manausDer Weg nach Manaus, dem ehemaligen Weltzentrum der Kautschukproduktion mitten im Amazonasbecken, ist weit und streckenweise auch nicht ganz ungefährlich. Durch ein Reservatsgebiet, das gerade „Ärger“ mit der Zentralregierung hat, lässt sich Norbert aus Sicherheitsgründen lieber mitnehmen. Da aber auch das Wetter für viele Landverbindungen des Amazonasgebiets einen Unsicherheitsfaktor darstellt, setzt er seine Reise ab der Millionenmetropole gemütlich per Flussschiff fort und fährt auf dem Rio Madeira bis nach Porto Velho Richtung bolivianische Grenze.

Etwas weiter südlich, Richtung Trinidad und Santa Cruz im bolivianischen Tiefland, muss Norbert aufgrund gesundheitlicher Probleme dann ein weiteres Mal auf öffentliche Transportmittel zurückgreifen: Er bekommt einfach nicht mehr genügend Luft für anstrengende Radstrecken! Da eine Fortsetzung seiner Tour über die Anden unter diesen Umständen wenig ratsam erscheint, entschließt er sich stattdessen im Flachland zu bleiben und fortan gemächlich durch den Gran Chaco zu radeln: Durch Paraguay soll es nun über die Ciudad del Este Richtung Südbrasilien an den Atlantik gehen. Dort sind die Strände schön und werden unserem Ausdauerradler etwas Erholung bieten! Unterwegs macht er aber noch einen Abstecher an die Grenze zur argentinischen Provinz Misiones, um dort die beeindruckenden Iguazú-Wasserfälle zu besichtigen, die zum UNESCO-Welterbe gehören und aus insgesamt mehr als 270 Wasserfällen bestehen.

Über Curitiba und die sehr schöne alte Straße „Estrada da Graciosa“ erreicht Norbert schließlich Encantadas auf der Ilha do Mel. Bis Ende September 2015 arbeitet er sich dann die Küste bis nach Uruguay hinunter. Im Norden des kleinen Landes überraschen ihn die sehr fantasievoll und bunt gebauten Strandhäuschen, die meist von Hippies oder vergleichbar sympatischen (bis schrägen) Menschen bewohnt werden, weiter im Süden wird es dann wieder nobler. Am 7. Oktober setzt er nach Argentinien über und erreicht schließlich die letzte Station seiner langen Reise: Buenos Aires, die sehr europäisch geprägte Welthauptstadt des Tangos. Zwei Wochen später tritt er die Heimreise nach Heidelberg an.

Weshalb er denn früher als geplant seine Tour beendet habe, möchte Thomas wissen. „Meine Vorstellung war“, antwortet Norbert, „von Zeit zu Zeit auch mit anderen Radlern gemeinsam zu reisen. Doch leider habe ich fast gar keine passende Partner auf der Tour getroffen. Irgendwann hat sich dann ein Gefühl der Einsamkeit breit gemacht und damit auch eine gewisse Unlust weiterzuradeln.“ Da ist es direkt schade, dass das Projekt „Scoutfish“ nicht schon ein paar Jahre weiter ist: Vielleicht hätte Norbert ja über die Community den ein oder anderen Reisepartner gefunden!

nobs-traveller-no-1Am Ende des Treffens bedankt sich Thomas mit einem entsprechenden T-Shirt Unikat beim „Scoutfish Traveller No. 1“ für dessen Vertrauen in die Funktionalität der Reisetagebücher. Schließlich befindet sich die Traveller-Plattform immer noch im Aufbau, und da war es keine Selbstverständlichkeit, dass sie bereits genutzt wird!